06.09.2022

Eine Geschichte zum Schmunzeln:

Wir befinden uns in einer mündlichen Physik-Prüfung, an der Universität Kopenhagen. Ein Professor stellt einem Studenten folgende Aufgabe:

„Sie befinden sich auf dem Dach eines Hochhauses. Wie stellen Sie mit Hilfe eines Barometers die Höhe des Gebäudes fest?“

Der Prüfling antwortete: „Ich binde ein langes Stück Schnur an den Ansatz des Barometers, senke dann das Barometer vom Dach des Hochhauses zum Boden. Die Länge der Schnur plus die Länge des Barometers entspricht der Höhe des Gebäudes.“

Diese in hohem Grade originelle Antwort entrüstete den Prüfer dermaßen, dass der Student sofort entlassen wurde. Der Student ließ sich dies jedoch nicht gefallen und legte Beschwerde ein, mit der Begründung dass seine Antwort unbestreitbar korrekt war. Der Streit zog sich über einige Stunden hin, bis die Universität entscheid, einen unabhängigen Prüfer zu beauftragen, der den Sachverhalt klären sollte. Dieser musste dem Studenten Recht geben, da seine Antwort in der Tat korrekt war. Allerdings enthielt sie aber kein wahrnehmbares Wissen von Physik, wodurch der Student die Prüfung unmöglich bestanden haben könne.

Um das Problem zu lösen, entschied die Prüfungskommission, den Kursteilnehmer nochmals herein zu bitten und ihm fünf Minuten zuzugestehen, in denen er eine mündliche Antwort geben konnte, die mindestens eine minimale Vertrautheit mit den Grundprinzipien von Physik zeigte. Für vier Minuten saß der Kursteilnehmer still, den Kopf nach vorne, in Gedanken versunken. Der Prüfer erinnerte ihn, dass die Zeit lief, worauf der Student antwortete, dass er einige extrem relevante Antworten hatte, aber sich nicht entscheiden könnte, welche er verwenden sollte.

Als ihm geraten wurde, sich zu beeilen, antwortete er wie folgt:

„Sie könnten das Barometer bis zum Dach des Hochhauses nehmen, es über den Rand fallen lassen und die Zeit messen die es braucht, um den Boden zu erreichen. Die Höhe des Gebäudes kann mit der Formel h=0.5g x t im Quadrat berechnet werden. Der Barometer wäre allerdings dahin! Oder, falls die Sonne scheint, könnten Sie die Höhe des Barometers messen, es hochstellen und die Länge seines Schattens messen. Dann messen Sie die Länge des Schattens des Hochhauses, anschließend ist es eine einfache Sache, anhand der proportionalen Arithmetik die Höhe des Hochhauses zu berechnen. Wenn Sie aber vorgeblich in einem hohen Maße wissenschaftlich sein wollten, könnten Sie ein kurzes Stück Schnur an das Barometer binden und es schwingen lassen wie ein Pendel, zuerst auf dem Boden und dann auf dem Dach des Hochhauses. Die Höhe entspricht der Abweichung der gravitationalen Wiederherstellungskraft T=2 Pi im Quadrat (l/g). Oder, wenn der Wolkenkratzer eine äußere Nottreppe besitzt, würde es am einfachsten gehen da hinauf zu steigen, die Höhe des Hochhauses in Barometer-Längen abzuhaken und oben zusammenzählen. Wenn Sie aber bloß eine langweilige und orthodoxe Lösung wünschen, dann können Sie selbstverständlich das Barometer benutzen, um den Luftdruck auf dem Dach des Hochhauses und auf dem Grund zu messen und den Unterschied bezüglich der Millibar umwandeln, um die Höhe des Gebäudes zu berechnen. Aber, da wir ständig aufgefordert werden die Unabhängigkeit des Verstandes zu üben und wissenschaftliche Methoden anzuwenden, würde es ohne Zweifel viel einfacher sein, an der Tür des Hausmeisters zu klopfen und ihm zu sagen: "Wenn Sie ein schönes neues Barometer möchten, gebe ich Ihnen dieses hier, vorausgesetzt Sie sagen mir die Höhe dieses Hochhauses."“

Der Student war Niels Henrik David Bohr (geboren am 7. Oktober 1885 in Kopenhagen; gestorben am 18. November 1962 ebenda), der dänische Physiker, der im Jahr 1922 den Nobelpreis für Physik "für seine Verdienste um die Erforschung der Struktur der Atome und der von ihnen ausgehenden Strahlung" erhielt. Sein im gleichen Jahr geborener Sohn Aage Niels Bohr erhielt übrigens ebenfalls den Nobelpreis für Physik im Jahr 1975.